Vorurteil? Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus

Vorurteil? Eine Krähe hackt der anderen kein Auge ausÄrztliche Schlichtungsstelle erkennt nicht einmal 20% aller gemeldeten Fehlervorwürfe an.
Wer sich als Opfer eines ärztlichen Fehlgriffs empfindet, braucht einen langen Atem, um dies nachzuweisen, denn die Beweislast liegt beim Patienten. Nur bei einem "groben Behandlungsfehler" muss der Arzt nachweisen, korrekt gehandelt zu haben. Doch schon, was ein grober Fehler ist, kann ein langwieriger Streitfall sein. Ärztevertreter weisen gern auf ihre Schlichtungsstellen hin, die im vergangenen Jahr fast 11000 Fehlervorwürfe prüften. Etwa 2000 wurden anerkannt.

Gefälligkeits- und Vertuschungsgutachten sind eher die Regel als die Ausnahme

Josef Roth, Gründungsvorsitzender des Deutschen Patienten-Schutzbundes, misstraut den ärztlichen Gutachtern, egal ob sie im Auftrag der Schlichtungsstellen oder für Gerichte tätig sind: "Gefälligkeits- und Vertuschungsgutachten sind eher die Regel als die Ausnahme", sagt er in der "Apotheken Umschau". Er empfiehlt, über die Krankenkasse ein Gutachten des Medizinischen Dienstes  der Krankenversicherung (MDK) einzuholen oder 500 bis 3000 Euro für ein Privatgutachten zu investieren.

Christine Grote, Sprecherin des MDK, gibt an, dass dessen Gutachter etwa ein Viertel der Fehlervorwürfe anerkennen. 15700-mal sei der MDK im Jahr 2008 angefordert worden. Von Strafanzeigen raten sowohl Patientenschützer als auch Medizinanwälte ab. Sie verzögerten das Verfahren und hätten nur geringe Erfolgschancen. Einem Zivilprozess werden größere Aussichten eingeräumt. Es sollte aber auch immer eine gütliche Einigung versucht werden. Erhärtet sich der Verdacht auf einen Kunstfehler, kann der Arzt seine Berufshaftpflichtversicherung einschalten und eine außergerichtliche Einigung anstreben.

Quelle: Apotheken Umschau


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